Der Libanon ist ein menschliches Schutzschild für die Hisbollah

„Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri verlieh Präsident Trump am Dienstag dem im Kern paradoxen Wesen der amerikanischen Libanonpolitik Ausdruck. Der Präsident würdigte einerseits den ‚eindrucksvollen‘ Kampf des Libanon und seiner Streitkräfte (der LAF) gegen den Islamischen Staat und Al-Qaeda und sagte ihnen seine Unterstützung zu. Andererseits kritisierte er die Hisbollah scharf. Sie stelle eine Bedrohung des libanesischen Staats und der gesamten Region dar und habe zur katastrophalen Entwicklung in Syrien beigetragen. Zudem drohe die Organisation damit, einen Konflikt mit Israel vom Zaun zu brechen, und verstoße mit ihrer Aufrüstung gegen Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats. Doch während Hariri Washington besucht, bekämpfen die LAF gemeinsam mit der Hisbollah im Nordosten des Libanon an der syrischen Grenze eine Ansammlung bewaffneter syrischer Gruppen, darunter die vormals als Nusra-Front bekannte Miliz. Die Hisbollah kontrolliert bekanntlich die libanesische Regierung und bestimmt das Vorgehen ihrer Streitkräfte. So übernahm die Hisbollah auch die Planung der gegenwärtigen Operation im Nordosten, einschließlich der dabei vorgesehenen Rolle für die LAF. Und es war das Oberhaupt der Hisbollah Hassan Nasrallah, der den bevorstehenden gemeinsamen Einsatz mit den LAF vor einigen Wochen während eines im Fernsehen übertragenen Auftritts bekanntgab.

Der libanesische Staat, mit anderen Worten, ist ein schlechter Witz. Er ist eine Fassade. Umso absurder waren Hariris Bemerkungen auf der Pressekonferenz, in denen er die Verpflichtung seiner Regierung zur Einhaltung der UNO-Sicherheitsratsresolution 1701 bestätigte und ein Ende der Feindseligkeiten zwischen der Hisbollah und Israel forderte. Immerhin begleiteten die LAF die Medientour der Hisbollah entlang der Grenze mit Israel – wo die ‚Umwelt-NGOs‘ der Hisbollah unter der Nase UNIFILs Beobachtungsposten eingerichtet haben – und schickten dann 150 ihrer Offiziersanwärter zur Besichtigung des von der Hisbollah unterhaltenen Museums zum Gedenken an den Krieg mit Israel. (…) Hariri illustrierte so perfekt, wie der Libanon als eine Art menschliches Schutzschild für die Hisbollah dient, wenn es darum geht, den Status quo zu erhalten, der vorteilhaft für die Terrororganisation ist – und für alle, die an ihm teilhaben, wozu auch Hariri selbst gehört. Das Gleiche gilt für die LAF. Denn die LAF werden als menschliches Schutzschild für die Hisbollah fungieren, wenn der nächste Konflikt mit Israel ausbricht. Dann wird die libanesische Regierung sich dringlich an die USA wenden und diese drängen, ihre Investition in diesen seltsamen Partner im Krieg gegen den Terrorismus zu wahren und zu intervenieren, um Israel an der Zerstörung des libanesischen Staats zu hindern. Letztlich würde davon nur die Hisbollah profitieren. Cui bono, Amerika?“ (Tony Badran: „Lebanon Is Another Name for Hezbollah“)

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