Der Krieg in Syrien ist auch ein iranischer

„Der Mittzwanziger hat in den vergangenen fünf Jahren versucht, sich vor dem 24-monatigen, obligatorischen Militärdienst in seinem Land zu drücken. Mal hat er sich ein ärztliches Attest organisiert, Meldefristen nicht eingehalten, wichtige Klausuren als Grund angegeben, nicht zur Waffe greifen zu müssen. Jetzt bleiben ihm keine Ausreden mehr. Millionen junger Männer weltweit können ohne Zweifel gut nachvollziehen, wie sich Schahab gefühlt haben muss, ‚die Pflicht‘ immer weiter vor sich herzuschieben. Doch im Iran bringt der Militärdienst seit fünf Jahren ganz andere Konsequenzen mit sich. Im Brief steht, dass sich Schahab in drei Wochen in einer Kaserne melden soll – über sein Einsatzgebiet werde er beim Antritt seines Militärdienstes informiert. Das Problem: Schahab ist ein kräftiger junger Mann, groß gewachsen und sportlich. ‚Die schicken mich bestimmt ins Ausland!‘ Er zupft wieder nervös an seinem Vollbart. Er habe schon darüber nachgedacht, sich selbst zu verletzen. Aber er habe es nicht übers Herz gebracht, sich etwas anzutun. ‚Ich möchte wirklich keine Kinder in Syrien töten, aber ich werde es wohl machen müssen‘, sagt er. Es ist das einzige Mal während des ganzen Gesprächs, dass Schahab Syrien beim Namen nennt. Sonst spricht er immer nur vom ‚Ausland‘.

Schon früh schickten die Machthaber der islamischen Republik Soldaten, Söldner und Milizen nach Syrien, um den Verbündeten Baschar al-Assad bei seinem ‚Krieg gegen Terror‘ zu unterstützen. (…) Verlässliche Statistiken, wie viele iranische Soldaten und Söldner in Syrien tatsächlich kämpfen, gibt es nicht. Schätzungen von Beobachtern gehen von einigen Zehntausend Kämpfern aus. Fotos und Videos von Gefechten zeigen aber täglich: Der Krieg in Syrien ist auch ein iranischer Krieg. Bis November 2016 wurden laut einer iranischen Organisation, die sich um die Angehörigen gefallener Soldaten kümmert, mehr als 1.000 Iraner in Syrien bei Gefechten getötet, unzählige verwundet, die meisten Rückkehrer aus dem Kriegsgebiet sind traumatisiert.“ (Mohamed Amjahid: „Ich möchte keine Kinder in Syrien töten“)

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