Worüber die islamische Welt mit sich selbst streitet

Jenseits der verschiedenen Sekten und Interpretationen des Islam findet in Wirklichkeit ein Krieg zwischen zwei Paradigmen statt, die darum ringen, zur bestimmenden Daseinsform [des Islams] zu werden. Beide verfügen jeweils über Netzwerke, die der Westen entweder unterstützen und stärken oder unterlaufen und zerstören kann.

Das alte Paradigma — vertreten durch den autoritären Führungsstil, die Theokratie und das Patriarchat — steht im Gegensatz zu dem neuen, dessen Anführer und Aktivisten letztlich daran arbeiten, dem säkularen Zeitalter in mehrheitlich muslimischen Ländern und Bevölkerungsgruppen zum Durchbruch zu verhelfen. Das neue Paradigma wird von einer Generation verfochten, die begierig ist, ihre Kreativität zu entfesseln, um regionale und globale Herausforderungen anzugehen. Den Parteigängern des alten Systems dagegen geht es darum, Veränderung um jeden Preis zu verhindern. Ihre Führung beruht auf Gewalt und Einschüchterung. Die Hüter des alten Paradigmas behaupten, sie wollten dem Volke Allahs Willen aufzwingen. Sie tun so, als würden sie sich altruistisch für Allah opfern. Sie schreien ‚Allahu Akbar’ (Gott ist der größte) während sie morden, verstümmeln und die Rechte Anderer verletzen. Sie sind die Bewahrer der Hierarchie und nutzen die Religion als einen Vorwand, um Dissens zu kontrollieren und zum Schweigen zu bringen. (…)

Religion spielt im alten Paradigma eine wichtige Rolle, weil sie ein problemlos verfügbares Werkzeug ist, mit dem politische Dissidenten und andere Reformer mundtot gemacht werden können. Viele Reformer sind inhaftiert worden, weil sie ‚den Islam beleidigt’ haben, obgleich sie selbst fromme Muslime sind. Ja, es ist schwierig einen Reformer oder eine kreative Person zu finden, die von dieser Anschuldigung nicht geplagt wird. (…)

Wir haben mit den Vereinigten Staaten ein herausragendes Beispiel. Säkularismus heißt nicht, dass es den Menschen nicht erlaubt wäre, religiös zu sein. Ganz im Gegenteil. Die USA sind ein eher konservatives und religiöses Land. Säkularismus heißt, dass niemand seine oder ihre Interpretation des Christentums jemand anderem aufzwingen kann. Es heißt darüber hinaus, dass kein Poet vom Staat für gesprochene Worte eingesperrt oder hingerichtet wird. Die Mehrheit der Muslime haben dieses Recht nicht. Sie ist davon abhängig, wie jemand anderer das Wort Gottes interpretiert. “ (Nadia Oweidat: „It’s Not Good Islam Versus Bad Islam. It’s Theocracy Versus Secularism“)

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