„Als nächstes werden die Islamisten in Europa Journalisten töten“

„‚Sie haben dem Westen den Krieg erklärt und führen systematisch eine Schlacht nach der anderen. Und sie werden gewinnen. Ihr erster Sieg besteht darin, die Gesellschaft zu verängstigen.‘ Doch das sei nur die erste Phase. Wie alle Anfänger im Leben mit dem Terror entwickelten die westlichen Gesellschaften im Moment die unvermeidlichen Symptome eines beginnenden Traumas. Sie klammern sich an Fahndungserfolge und beruhigen sich mit einer Mitleidstheorie. Sie suchen Gründe für den Terror, beschuldigen sich selbst, die falsche Politik, die missglückte Integration. Boualem Sansal kennt das Drehbuch, nach dem sich das alles abspielt. Er hat denselben Film schon einmal in den neunziger Jahren in Algerien gesehen. Die Angriffe auf die Frauen, die man herunterspielt, ‚das ist zwar nicht schön, aber so ist nun mal ihre Kultur, jeder hat so seine Marotten‘. Das Stockholm-Syndrom der angegriffenen Gesellschaft, die versucht, Verständnis zu entwickeln. Die panische Ausgrenzung der Islam-Kritiker, die zu Rechtsextremisten erklärt werden. Man könne, meint Sansal, diese Phase leider nicht überspringen. Jede bedrohte Gesellschaft wiederhole dieselben Fehler. Doch dann, irgendwann, wacht man auf und sieht: Das ist eine Armee mit Waffen, mit Technologie, mit einem genauen strategischen Plan. In der nächsten Etappe, prophezeit Sansal, werde sie Journalisten ermorden. Über hundert sind in Algerien liquidiert worden.“ (Die Journalistin Iris Radisch in einem Bericht über den algerischen Schriftsteller Boualem Sansal in der Zeit Online: „Letzte Tage der Menschheit“)

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