Den „Zionismus in Palästina tilgen“

Während US-Außenminister John Kerry wieder einmal in den Nahen Osten gereist ist, um ein „Rahmenabkommen“ zwischen Israel und der PLO zu forcieren, rätseln österreichische Medien darüber, was denn eigentlich dem ersehnten Frieden im Wege steht. In der Presse wird die Antwort schon in der rhetorischen Frage in der Überschrift gegeben: „Scheitert Frieden an Siedlerbauten?“ Wie bereits in einem Artikel Mitte September sieht Presse-Korrespondentin Susanne Knaul offenbar erneut keinen Grund, den anti-israelischen Terrorismus der Palästinenser und deren grundsätzliche Ablehnung eines jüdischen Staates als zumindest eine der Ursachen für den fehlenden Frieden auch nur zu erwähnen. Selbst in dem Satz über die Freilassung von 26 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen vermeidet es Knaul, auf die blutigen Morde hinzuweisen, die die Männer begangen haben, und spricht stattdessen nur diffus von „palästinensischen Langzeithäftlingen“.

Auch der Kurier widmet sich heute der erneuten Nahostreise John Kerrys. Der Beitrag über „Zuckerbrot und Peitsche“, mit denen Kerry die „alten Rivalen“ zu einem Rahmenabkommen zwingen wolle, wird mit einem Bild illustriert, unter dem zu lesen ist: „Mit Fahnen und Transparenten für einen Palästinenserstaat: Kundgebung im Westjordanland“:

Mit der Auswahl dieses Fotos hat der Kurier, ohne dass ihm dies klar gewesen sein dürfte, thematisiert, woran der Friede zwischen Israelis und Palästinensern tatsächlich bis heute scheitert. Werfen wir einen etwas genaueren Blick auf die Fahnen, mit denen hier „für einen Palästinenserstaat“ demonstriert wird:

Was hier zu sehen ist, ist das alte Logo der Fatah, der angeblich „gemäßigten“ Palästinensergruppe unter der Führung von Mahmud Abbas. Das Bild zeigt, worum es der „Bewegung zur nationalen Befreiung Palästinas“ von Anfang an ging: Auf der stilisierten Landkarte gibt es selbstverständlich kein Israel, sondern nur das in Grün gehaltene ‚ganze Palästina‘ vom Mittelmeer bis zum Jordan. Die zwei überkreuzten Maschinenpistolen und die darunter platzierte Handgranate machen deutlich, welche Mittel im Kampf um die ‚Befreiung Palästinas‘ Anwendung finden sollen. Die Symbolik steht in völligem Einklang mit der PLO-Charta, in deren Artikel 9 festgeschrieben steht: „Der bewaffnete Kampf ist der einzige Weg zur Befreiung Palästinas. Es handelt sich daher um eine umfassende Strategie und nicht um eine taktische Phase“. In Artikel 15 heißt es dann bis heute unverändert: „Die Befreiung Palästinas ist vom arabischen Gesichtspunkt aus nationale Pflicht, deren Ziel es ist, die zionistische und imperialistische Aggression auf die arabische Heimat abzuwehren und den Zionismus in Palästina zu tilgen.“ Nicht um eine Zwei-Staatenlösung und ein Ende der ‚israelischen Besatzung‘ ging es Fatah und PLO: Als die beiden Organisationen Ende der 1950er-  bzw. Mitte der 1960er-Jahre gegründet wurden, gab es weder ‚besetzte Gebiete‘ noch israelische Siedlungen.

Aufschlussreich ist auch, wer auf dem Foto die Fahnen hält: Der Junge, der hier „für einen Palästinenserstaat“ demonstriert, dürfte noch keine fünfzehn Jahre alt sein. Mit der Wahl dieses Bildes bracht der Kurier das Problem auf den Punkt: Bis heute wird eine Generation palästinensischer Kinder nach der anderen von klein auf dazu erzogen, sich den bewaffneten Kampf für die Zerstörung des jüdischen Staates als das Ziel zu eigen zu machen, für das im Notfall auch das eigene Leben ‚geopfert‘ werden müsse. Ob all der Empörung über israelische Siedlungen findet diese einfache Tatsache in österreichischen Medien keinen Platz.


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