Demnächst stehen iranische Revolutionsgardisten an Israels Grenze

„Manchmal wissen palästinensische Medien mehr als israelische. Mit den Worten, Israel werde den Palast des syrischen Präsidenten Asad bombardieren, falls Iran seinen Einfluss in Syrien weiter vergrössere, zitierte dieser Tage Al-Hayat al-Jadida, offizielles Organ der Palästinenserbehörde in Ramallah, einen hohen israelischen Beamten. Der hatte am letzten Mittwoch Ministerpräsident Netanyahu begleitet, welcher in der Schwarzmeerstadt Sotschi Präsident Putin klarzumachen versuchte, dass Israel eine permanente Präsenz Irans in Syrien nicht hinzunehmen gedenkt. Die Vermutung, hier habe sich wieder einmal ein Beamter etwas in Pose werfen wollen, liegt nahe. Die Regierung in Jerusalem schwieg wie meist, wenn es um Syrien geht. Doch der Bericht von Al-Hayat al-Jadida machte Furore und wurde in Israels Medien breit zitiert. Die Tonlage ist bezeichnend. Netanyahus Sicherheitskabinett ist extrem besorgt über den wachsenden iranischen Einfluss in Syrien. Natürlich sei es wichtig, die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien zu besiegen, sagte der Regierungschef an einer Pressekonferenz mit Putin in Sotschi. ‚Doch die schlechte Nachricht ist, dass überall dort, wo der IS verschwindet, Iran erscheint.‘ Er vergesse keine Minute, dass Iran jeden Tag damit drohe, Israel zu vernichten. (…)

Die Sorge in Israel ist groß. Befeuert wurde sie jüngst von einem Bericht des Zweiten Fernsehkanals mit Satellitenbildern, die laut Experten eine im Bau befindliche Anlage im Nordwesten Syriens zeigen, in der Langstreckenraketen des Typs Scud produziert und gelagert werden sollen. Die Anlage liegt nahe der syrischen Mittelmeerstadt Baniyas. Experten finden, die Anlage gleiche bis ins letzte Detail einer Raketenfabrik in der Nähe Teherans – ein weiteres Indiz für die intensive iranisch-syrische Kooperation. In Israel wird befürchtet, die Iraner könnten die in Baniyas produzierten Raketen mit Nuklearsprengköpfen ausrüsten. Laut israelischer Erkenntnis baut Iran zudem im Bekaa-Tal und in Südlibanon für den Hizbullah unterirdische Waffenfabriken. (…) [N]un zeichnet sich ab, dass die Welt einfach zuschauen wird, wie Iran seine Einflusszone immer mehr nach Westen und Süden ausbreitet. Kaum jemand in den israelischen Regierungskreisen schließt aus, dass demnächst iranische Revolutionsgardisten an der eigenen Grenze stehen könnten.“ (Ulrich Schmid: „Wo der IS verschwindet, erscheint Iran“)

 

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