Das Kopftuch ist kein Symbol der Selbstbestimmung

„Es gibt viele Nichtregierungsorganisationen und Politiker in Europa, die für kulturelle Diversität einstehen wollen und gegen die vermeintliche Islamfeindlichkeit des Westens kämpfen. Das hört sich schön und gut an, aber dennoch bin ich der Meinung, dass ein großer Fehler begangen wird, wenn ausgerechnet das Kopftuch muslimische Frauen und deren Rechte repräsentieren soll. Der Zürcher Klub ‚Jass: It’s just a simple scarf‘ etwa organisiert Veranstaltungen, zu denen er nichtmuslimische Frauen einlädt, damit diese ‚sehen können, wie sie mit Kopftuch aussehen‘. Solche Initiativen unterstützen die Frauenrechte nicht. Es steht außer Frage, dass viele gläubige muslimische Frauen das Kopftuch freiwillig tragen – und zweifellos muss ihre Entscheidungsfreiheit respektiert werden. Gleichzeitig aber kann nicht weggeredet werden, dass das Kopftuch ein Werkzeug der Geschlechterungleichheit darstellt. Grad und Häufigkeit der Verschleierung weisen im Islam aus, wie konservativ und antiliberal eine Gesellschaft eingestellt ist. (…)

Als am Tag nach Donald Trumps Amtseinsetzung die amerikanischen Frauen zum Marsch auf Washington antraten, führten sie auch ein Plakat mit, das eine mit der amerikanischen Flagge verhüllte Muslimin zeigte. Die liberale schweizerisch-jemenitische Muslimin und Akademikerin Elham Manea reagierte mit einem brillanten Brief an die Organisatorinnen des Marsches. ‚Warum wählt ihr ein Symbol, das für viele Frauen in den verschiedensten Teilen der Welt ein Werkzeug der Unterdrückung darstellt, als Symbol für eine reiche und vielfältige Religion wie den Islam?‘, schrieb sie in der Huffington Post. ‚Das ist nicht nur fehlgeleitet – es ist eine Beleidigung für all jene Frauen, die es tragen müssen und die psychologischen Narben dieses Zwangs erleiden.‘ Machen wir uns nichts vor: Das Kopftuch ist ein Symbol von Patriarchat und Unterdrückung. Im Namen der Religion wird der Frau geboten, sie müsse sich verschleiern, um nicht das sexuelle Verlangen der Männer zu wecken. Dieses Argument liegt gedanklich auf derselben Linie, wie wenn bei einer Vergewaltigung die Schuld dem Opfer und nicht dem Täter zugewiesen wird. Anderseits stellt das Verhüllungsgebot eine Verurteilung des Begehrens dar – es steht für den Krieg gegen den Körper und sein natürliches Verlangen. Auch deshalb kann ich nicht verstehen, weshalb so viele westliche Feministinnen den islamischen Schleier in einem so romantischen Licht betrachten.“ (Kacem El Ghazzali: „Das islamische Kopftuch ist ein Symbol des Patriarchats und nicht der Selbstbestimmung“)

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