Aus Marokko vertrieben – wegen einer Filmrolle

„Sie haben keinen Ehemann, aber häufig eine Meinung. Sie rauchen und trinken. Als ‚Huren‘ bezeichnet die Großmutter die Frauen, die in den Hollywood-Filmen mitspielen, die die kleine Loubna eigentlich nicht sehen darf und gerade deshalb gierig verschlingt. Für Loubna sind diese Frauen bewundernswert anders. Der Berufswunsch des Mädchens deshalb: Hure. Viele Jahre später, als Loubna Abidar selbst eine bekannte Schauspielerin ist, holt sie dieser Konflikt um Sexarbeit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Moral ein: In ‚Much Loved‘, einem Film des französisch-marokkanischen Regisseurs Nabil Ayouch, spielt Abidar 2015 eine Prostituierte. Der Film hat auf dem Festival in Cannes Premiere, wird europaweit gefeiert. In Marokko aber erhält Abidar Morddrohungen, wird beschimpft und attackiert, sobald sie das Haus verlässt. Nach einem Angriff hält sie es nicht mehr aus und zieht nach Frankreich. (…)

Der Film erzählt vom Alltag dreier Prostituierter, zeigt sie in ihrer Wohnung, auf Partys mit saudischen Geschäftsmännern, in Clubs beim Feiern mit Franzosen – und beim Sex. Nach der Filmpremiere kann sie ihr Haus in Marokko nur noch in Burka verlassen, um nicht erkannt und beschimpft zu werden. Im Netz kursieren Ausschnitte aus dem Film, gemischt mit Szenen aus Pornos. Der Name Abidar wird zum Synonym für Schande, auch ihre Mutter bricht den Kontakt zu ihr ab. Eines Abends wird sie von drei Männern in ein Auto gezerrt und fast bewusstlos geprügelt. Alle drei Krankenhäuser, zu denen sie fährt, lehnen es ab, sie zu behandeln. Die Polizei lacht sie aus. Sie erkennt, dass sie nicht in Marokko bleiben kann.“ (Lisa Goldmann: „Wenn dein Name zum Synonym für Schande wird“)

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