Anschlag im Irak wirft Fragen über Guantánamo auf

Seitdem die Offensive gegen Mosul, die Hauptstadt des Islamischen Staats (IS) im Irak, vor fünf Monaten begann, hat der IS ganz bewusst eine große Zahl an Menschenleben für Selbstmordattacken eingesetzt. Eine der Selbstmordangriffe am 20. Februar 2017 wurde von Abu Zakariya al-Britani ausgeführt, einem britischen Staatsbürger, der nun als Ronald Fiddler aus Manchester identifiziert wurde. Fiddler, der sich damals Jamal Udeen al-Harith nannte, wurde 2002 nach Guantánamo geschickt. Er wurde 2004 entlassen und beteuerte weiterhin seine Unschuld. Als er die britische Regierung wegen seiner Inhaftierung verklagte, erhielt er eine großzügige finanzielle Entschädigung, um die Kompromittierung von Staatsgeheimnissen zu vermeiden. Fiddlers Ende lädt dazu ein, einige weitverbreitete Annahmen über Guantanamo zu überdenken. (…)

Fiddler ist nun durch einen Akt des gleichzeitigen Selbstmords und des Mordes zu Tode gekommen. Hieraus lassen sich zumindest zwei wichtige Folgerungen ableiten. Erstens sollte die Öffentlichkeit gegenüber den Behauptungen der Männer, die nach Guantánamo Bay gebracht wurden, wesentlich skeptischer sein. Der gegenwärtigen Neigung, deren Unschuldsbeteuerungen zu glauben, sollte entgegen getreten werden. Die Unehrlichkeit Fiddlers ist kein Einzelfall. Dass Informationsquellen, Ermittlungsmethoden und andere technische Hinderungsgründe die Veröffentlichung von Einzelheiten darüber verhindern, was die Insassen von Guantánamo getan oder geplant haben, heißt keineswegs, dass sie diese Dinge nicht getan oder beabsichtigt haben.

Zweitens birgt die Absicht, Guantánamo zu schließen, ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko. Fast ein Drittel der aus Guantánamo entlassenen Insassen ist anschließend zum militanten Dschihadismus zurückgekehrt und viele sind von der Bildfläche verschwunden – mit Sicherheit werden manche von ihnen (…) schließlich in Syrien und im Irak auftauchen. Darüber hinaus gibt es einen Kreis von Finanziers, Logistikern, Propagandisten und Anwerbern, deren Aktivitäten den Dschihadismus oft im Verborgenen unterstützen, so dass sie in den Statistiken über die Rückfälligkeit ehemaliger Insassen nicht auftauchen. Ein Argument für die Schließung Guantánamo lautet, dass es der dschihadistischen Propaganda nützlich sei und die Rekrutierung [neuer Dschihadisten] erleichtere. Die Rechnung, durch die Entlassung erfahrener Dschihadisten und deren Rückkehr aufs Schlachtfeld ein konkretes Sicherheitsrisiko zu schaffen, nur um ein so schwer greifbares Ziel zu erreichen, wie gegnerische Propaganda zu durchkreuzen, ist fragwürdig und wird nicht durch Beweise erhärtet.“ (Kyle Orton: „ The Need for Caution in Releasing Guantanamo Inmates“)

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