Amerikas geheimer Krieg in Syrien

Die Syrischen Demokratischen Kräfte verkünden den Beginn der Offensive gegen Deir ez-Zor. Quelle: Voice of America

„Die USA haben ihre militärische Präsenz in Syrien seit 2014 um ein Vielfaches gesteigert. Damals trafen die ersten Angehörigen US-amerikanischer Eliteeinheiten ein, um die im Entstehen begriffenen Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) zu beraten. Heute gibt es in Syrien 14 US-amerikanische Militärstützpunkte. Vor Ort befinden sich Angehörige der Armee, der Marine, der Luftwaffe und der Marineinfanterie. Zu den genauen Zahlen, den Orten, an denen sie stationiert sind, und dazu, was sie dort genau machen und wie lange sie dort bleiben werden, macht die Regierung keine Angaben. Einige sind umgekommen und etliche wurden im Kampf verletzt. Doch ebenso wie fast alles andere wird auch die Zahl der Verletzten geheim gehalten. Obwohl es sich um eine große Operation handelt, besteht das Pentagon auf Geheimhaltung wie bei einer verdeckten Operation. Es befinden sich keine Journalisten bei den Truppen und Informationen werden ausschließlich durch Militärsprecher in Bagdad zugänglich gemacht. (…)

Als die Kurden begannen, das Territorium des Islamischen Staat zurückzuerobern, entwickelte sich das spontane kurdisch-amerikanische Bündnis zu so etwas wie einer formellen Koalition fort, sehr zum Ärger der Türken, die jeden bewaffneten Kurden für einen Terroristen halten. Um die Türkei zu besänftigen und den Eindruck zu vermeiden, sie unterstützten eine bestimmte ethnische Gruppe in dem sektiererischen Krieg, halfen die USA beim Aufbau der SDF, denen auch arabische, assyrische und christliche Milizen angehören. Mit amerikanischer Unterstützung aus der Luft sind die SDF langsam im Norden Syriens vorgerückt und haben den Islamischen Staat Bauernhof um Bauernhof, Dorf um Dorf und Stadt um Stadt in Richtung Raqqa verdrängt. Während dieses langen und erschöpfenden Feldzugs nahmen amerikanische Soldaten an Dutzenden von Schlachten teil, über die in den USA so gut wie gar nicht berichtet wurde. Dazu gehörte die Eroberung des Tabqa-Damms, an der Hunderte amerikanische Soldaten aus Eliteeinheiten mit der Unterstützung von Marineartillerie und Kampfhubschraubern beteiligt waren. (…)

In einer per Email verbreiteten Erklärung bestritt die türkische Botschaft rundweg, den Islamischen Staat unterstützt zu haben, doch ist kaum daran zu zweifeln, dass die Türkei die kurdisch-amerikanische Allianz aktiv hintertreibt. Trotz der amerikanischen Militärpräsenz, greift das türkische Militär Stellungen der SDF häufig aus der Luft und mit Granaten an. Um weitere Kämpfe zu verhindern, patrouillieren die Amerikaner inzwischen entlang der Linie zwischen den türkischen und kurdischen Stellungen in bewaffneten Fahrzeugen mit großen amerikanischen Fahnen, eine Taktik, die das Risiko eines direkten türkisch-amerikanischen Zusammenstoßes mit sich bringt. (…)

Syrien ist ein außerordentlich komplexes Schlachtfeld voller internationaler Stellvertreterkonflikte: Sunniten gegen Schiiten, der Iran gegen Saudi-Arabien, die Türkei gegen die Kurden – und jetzt auch die USA gegen Russland. Auf Einladung Assads befinden sich mehrere Tausend russische Soldaten und Söldner in Syrien, die im Kampf gegen die Freie Syrische Armee behilflich sind. Dieser Kampf findet abseits der kurdischen Offensive gegen den IS statt, aber Überschneidungen sind unvermeidlich. Während das Regime vom Süden her gegen den IS vordringt, finden sich russische und amerikanische Truppen auf gegenüberliegenden Seiten des Schussfeldes. Russische Konvois wurden in Manbij fotografiert; es wird gesagt, das sei das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass russische und amerikanische Soldaten in derselben Stadt operierten.“ (Seth Harp: „Inside America’s Secret War with ISIS“)

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