Ägypten: Lage für Homosexuelle so schlimm wie nie zuvor

egypt_lgbt„Tatsächlich hat der ägyptische Staat Homo-, Bi- und Transsexuelle noch nie so gejagt wie unter Präsident Sissi. Nicht nur wurde die Überwachung von Websites und sozialen Netzwerken enorm ausgeweitet. Auch gibt es Dutzende gefälschte Accounts, die Polizisten anlegen, um sich über Onlineportale mit Nutzern zu verabreden und diese am Ort des Treffens zu verhaften. In die Cafés von Alexandria traue sich von seinen Bekannten kaum noch jemand, sagt Kareem. Zu präsent seien dort nun Militär und Polizei. Kürzlich hätten Soldaten in einer Bar zwei Männer festgenommen, weil sie angeblich ‚unangemessenes‘ Material auf ihren Handys fanden. ‚Die Verhaftungen verlaufen völlig willkürlich‘, sagt Kareem.

Das rigide Vorgehen hat nicht nur mit den Männlichkeitsvorstellungen des Militärs zu tun. Auch wolle der Staat Stärke zeigen und von Problemen wie der Wirtschaftskrise und Armut ablenken, sagen Kenner der Szene. Sissi wolle demonstrieren: Nur ein Polizeistaat kann die Gesellschaft unter Kontrolle halten. ‚Die Armee will eine harte Hand zeigen‘, sagt Kareem. ‚Dafür verhaftet sie Leute aus der Opposition, Minderheiten, die ohnehin einen schweren Stand in der Gesellschaft haben.‘ Regelmäßig erscheinen Berichte über Festnahmen von Männern in Badehäusern unter dem Vorwurf von Prostitution und Transvestismus. Die Polizei gibt Fotos von Angeklagten und Details über deren angebliche Vergehen an die Medien weiter. Diese heizen die Jagd weiter an.“ (Andrea Backhaus: „Der Polizeistaat ist zurück“)

 

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