Ägypten: Gesetzesentwurf gegen Genitalverstümmelung

egypt_harrasment„Das Team – bestehend aus Juristen, Ärzten, Soziologen, Informatikexperten – ist froh über seinen Erfolg, den Sieg, den der ägyptische Staat errungen hat: gegen die erzreaktionären Kräfte im Land. Im ägyptischen Parlament haben die Volksvertreter einen Gesetzentwurf gegen Frauenbeschneidung angenommen. Fortan steht unter harter Strafe, was Frauen und Mädchen in Ägypten angetan wird: die Beschneidung beziehungsweise Verstümmelung ihrer äußeren Geschlechtsorgane. Der Akt wird nicht mehr als Vergehen betrachtet – so hatte es das alte Gesetz festgeschrieben. Nein, er ist fortan ein Verbrechen mit einem Strafmaß bis zu 15 Jahren Gefängnis, wenn das Opfer dabei zu Tode kommt. Und bestraft werden nicht nur die Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen, Barbiere, also die, die die Tat begehen, sondern fortan auch die Familienangehörigen, die die Verstümmelung ihrer Töchter zu verantworten haben.

Der Gesetzentwurf ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit, Ergebnis des Engagements des ägyptischen Staates und der Zivilgesellschaft – unterstützt von den Vereinten Nationen und der Europäischen Union. Dabei gab es immer wieder herbe Rückschläge. (…) Die Islamisten engagierten sich für ihre Sache: Muslimbrüder ließen wieder beschneiden, im Rahmen angeblicher staatlicher Gesundheitsvorsorge: Der Eingriff sei hygienisch sauber, werde von Ärzten ausgeführt und damit ohne Risiken für die jungen Mädchen. Und die Salafisten? Sie stellten zusammen mit den Muslimbrüdern die Mehrheit im Parlament. Die erzreaktionären Kräfte veranlassten einen Gesetzesvorstoß: Sie wollten FGM wieder legalisieren lassen. Angeblich, weil der Islam es so vorschreiben würde. ‚Tatsächlich sind die Fundamentalisten keine religiöse Gruppe, sie sind politisch. Und FGM ist ihr Aushängeschild, weibliche Genitalverstümmelung, der Niqab. Es handelt sich hier um einen uralten Kampf – zwischen dem säkularen Staat und dem religiösen.‘“ (Susanne El Khafif: „Kampf gegen die Frauenbeschneidung“)

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