37 Prozent der jungen Bewohner des Gazastreifens möchten emigrieren

Grenzübergang Ägypten–Gaza (By G. Ibrahim, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31361720)

„Es gibt keine offiziellen Statistiken über die Anzahl der Palästinenser, die den Gazastreifen verlassen. Auf jeden Fall scheint der Strom nicht abzuebben. Während informeller Besuche und Unterhaltungen mit Menschen, die in diesen Lagern in Europa leben, ist mir aufgefallen, dass zahlreiche Palästinenser in Ländern wie Belgien und Schweden um Asyl angesucht haben. Offenbar konkurrieren Bewohner des Gazastreifens inzwischen bei der Suche nach einer besseren Zukunft in den Flüchtlingslagern in Europa und Kanada mit den syrischen Flüchtlingen. Die Times of Israel berichtete im Januar, dass die Anzahl der Asylbewerber aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen in Kanada der kanadischen Einwanderungsbehörde zufolge von 50 im ganzen Jahr 2010 auf 242 in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres sprunghaft angestiegen sei.

‚Ich floh im Sommer 2014 vor dem Gazakrieg. Ich floh vor der Diktatur. Ich fürchtete, ich würde in dem Krieg umkommen oder sterben, sobald ich eine Krankheit bekäme, die im Gazastreifen nicht behandelt werden kann’, erklärte Youssef Al-Monitor gegenüber. ‚Ich bin emigriert, um mir meinen eigenen Lebensstil aussuchen zu können, fern der Krisen und der Vorurteile gegen meine Gedanken und Ansichten’, fügte er hinzu. (…) Der Zentralen Statistikbehörde der Palästinenser zufolge lag die Arbeitslosenquote im Gazastreifen 2016 bei 41,7 Prozent (verglichen mit 18,3 Prozent im Westjordanland). Ein im August 2017 veröffentlichter Bericht stellte fest, dass 37 Prozent der jungen Bewohner des Gazastreifens emigrieren möchten. Die 26jährige Yara Shaheen traf im Juli 2016 mit ihrem dreijährigen Sohn Omar in Belgien ein und beantragte politisches Asyl. ‚Ich verließ den Gazastreifen, weil die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse sich nach der Teilung und dem Horror der drei Kriege immer weiter verschlechterten’, erklärte sie Al-Monitor. ‚Der Gazastreifen ist zu einem großen Gefängnis ohne Mitgefühl und Menschlichkeit geworden, insbesondere für Frauen, also habe ich für meinen Sohn und mich eine bessere Zukunft gewählt.’“ (Asmaa al-Ghoul: „Palestinians determined to flee Gaza despite migration risks“)

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